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Ars Gratia Artis

Oktober 9th, 2008 von buergermeister

Gestern schrieb Bootsektor einen interessanten Artikel über Zahlen. Magische Zahlen die Zahlen, welche die Contentindustrie benutzt um Gesetzesverschärfungen zu ihren Gunsten durchzusetzen. Ars Technica unterstützt von den Kollegen von der Wired, die Zeit fragten sich woher denn die ominösen Zahlen der Umsatzverluste und vor allem der gefährdeten Arbeitsplätze kommen würden und sie fanden, die entsprechende Lösung. Auch ich jongliere heute einmal mit Zahlen im Gegensatz zur Lobby aus Hollywood werde ich aber nachher auch meine Quelle nennen ;) Ãœbrigens hat ja Hollywood nicht nur die bösen Raubkopierer im Auge, die den Gewinn derartig beeinträchtigen, dass man am Hungertuche nagt sondern auch ganz andere behindern oder wie sie es ausdrücken “ruinieren” ihr Geschäft – die europäischen Filmförderanstalten.
Der europäische Film findet in ganz anderen Maßstäben statt als Produktionen aus Hollywood. Ich war Anfang des Jahres im Vortrag von Stefan Kluge - Chancen für Low Budget Filme. Aber was ist das Low Budget, erstmal nur ein Begriff. In Hollywood ist ein Film mit einem Etat von etwa 30 Millionen Low Budget, in Europa ist das ein gut ausgestattes Projekt. Die Ursache liegt in den Marktchancen. Welche Chance hat ein in deutsch gedrehter Film? Er hat Absatzchancen in Deutschland mit 82 Millionen, in der Schweiz und in Österreich sollen tatsächlich auch noch ein paar Millionen deutschsprachige Menschen leben. Und ein Film aus Hollywood, in englischer Sprache? Neben den “paar” Millionen (ca. 305 Mio) Einwohnern die der Binnenmarkt USA bietet kommen da ja nur noch Kanada, Autralien, Großbritannien und und und hinzu. Der Binnenmarkt allein reicht um Geschäft zu machen! Der europäische bzw. der deutsche Film hat weniger Absatzchancen, wer geht also das Risiko ein viel Geld in einen Film zu stecken? Keiner bzw. keine Summen wie man in Hollywood gewöhnt ist. Ein Leuchtturm diesbezüglich in den letzten Jahren unter den deutschen Produktionen war wohl Das Parfüm. Allein 10 Millionen für die Rechte am Stoff, geplant waren 47 Millionen am Schluss hat er dann doch 60 Millionen gekostet. Der Film landete im Jahr 2007 auf Platz 38 der deutschen Kinocharts mit rund 109.000 Besuchern in 2007, seit seinem Start hatter er allerdings 5.589.217 Besucher nur in Deutschland bei einem durschnittlichen Eintrittspreis von 6,12 € macht das rund 34 Millionen Euro. Milchmädchenrechnung erstens dürfte dieser Film nicht nur mit dem durchschnittlichen Eintrittspreis belegt gewesen sein sondern mit den eher normalen 8 Euro, zweitens bekommen die ja nicht alle Einnahmen sondern nur einen Anteil aber egal. Erstens haben wir nur die deutschen Besucherzahlen die der Schweiz und Österreich müßten wir noch hinzu rechnen. Weil der deutsche Film es schwerer gegenüber Hollywood hat und wir aber doch eine deutsche Filmindustrie haben wollen fördert die öffentliche Hand unter bestimmten Vorraussetzungen Filmprojekte. Die öffentliche Hand nennen wir jetzt FFA und von der stammen dann auch meine Zahlen. Die sind recht interessant, so gab es in den letzten Jahren einen “Kinoboom” zumindest im Jahr 2006 bezeichnete es sogar die FFA so. Seit dem stagnieren die Zahlen. Während Basic ja mal locker formuliert, die Kinobesitzer würden sich wundern warum das Geschäft nimmer dolle läuft, Basic verdammt schau mal in die Statistiken der FFA! Kino war gestern ist ja ein geflügelter Spruch (leider) ja die Masse des Geldes wird heute mit silbernen Scheiben auch DVD genannt gemacht. Und so titelt die FFA in ihrem Jahresinfo 1/2008 “Sieg der Silberscheiben – 103,3 Millionen verkaufte DVDs sorgen für Rekordhoch”. Na seltsam trotz der vielen bösen Raubkopierer? Hier landet unsere parfümierte Mördergeschichte übrigens auf Platz 6 der Verkaufscharts, wieviel das allerdings umgesetzte DVD sind erzählt uns der Infobrief nicht, allerdings das der Durschnittspreis 12,72 € beträgt. Nun da gibt es die Berechnung, dass der Umsatz an DVD etwa das 3-5fache an den Kinobesuchern beträgt. Wären also rund 15 Millionen – schluck macht weitere 180 Millionen allein auf dem heimischem Markt. Ich glaub die deutsche Constantin Film nagt echt am Hungertuche und mir stellt sich die Frage wieviel wohl die Fernsehsender für den begehrten Happen und dessen Austrahlungsrechte ausspucken ;)
Aber was ist schon das Parfüm mit seinen 60 Millionen Etat gegenüber dem von Titanic (Einspielergebnis weltweit 1.845,0 Mill $) als erfolgreichstem Film aller Zeiten mit 200 Millionen und den 40 Millionen die nur an Werbung für diesen Film ausgegeben wurden. Oder Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt (Einspielergebnis weltweit 961,0 Mill $) mit nur einem Etat von 300 Millionen Dollar. Merke man also auf, Hollywood minimiert seinen Profit selbst, sie geben immer mehr Geld für die Produktion eines einzelnen Filmes aus. Was allerdings nicht unbedingt nötig ist wie “Low Budget” Produktionen wie Die Passion Christi (Einspielergebnis weltweit 604,9 Mill. $) von Mel Gibson mit 30 Millionen Dollar. Der Film der Mel Gibson berühmt machte kam übrigens nur 400.000 australische Dollar ;)

Die Masse der Zahlen stammen von der Deutschen Filmförderanstalt, andere von worldwideboxoffice

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