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Oyranos CMS – Farben über Farben

September 26th, 2011 von buergermeister

Colormanagement war lange Zeit das Stiefkind der Linux-Desktops, mittlerweile gibt es allerdings Entwicklungen in Zukunft die Farben eines solchen zu verwalten. Mit colord gibt es ein Projekt auf der Seite des GNOME-Desktop. Aber es gibt auch Alternativen zu diesem System.

Mit Farbmanagement (color management) soll erreicht werden, dass eine Vorlage, die mit einem beliebigen Eingabegerät erfasst wurde, an einem beliebigen Ausgabegerät möglichst ähnlich wiedergegeben wird. Viele Anwender sind der Meinung, dass ein Farbmanagment nur von Designern benötigt wird. Das stimmt insofern, dass man derartige Systeme zu schätzen weiß, wenn man mit Druckereien zusammen gearbeitet hat. Aber farbverwaltete Systeme sind nicht nur für diese Gruppe interessant.  Nutzen daraus ziehen können auch andere, stellt euch vor, eure Frau ordert via Internet ein paar pinkfarbene Heels und als die ankommen sind die eher lila, auch Ärzte nutzen für Diagnosen teilweise Farbbilder auch die haben einen Nutzen von solchen Systemen.
Eine Alternative zum Farbmanagement mit colord ist das Oyranos-Projekt. Oyranos arbeitet nicht als Deamon im Hintergrund, wie colord sondern Oyranos arbeitet mit den Rechten des Nutzers. Für Farbverwaltungseinstellungen, Profilsuche und Profilinstallation benötigt Oyranos kein Compiz. Will man allerdings mit einem komplett farbkorigiertem Desktop arbeiten so benötigt man dazu Compiz und das Plugin CompICC. Dabei ist Oyranos unabhängig davon ob man GTK oder QT als Toolkit benutzt.

Wer das Ganze ausprobieren möchte, findet auf den Seiten des Projektes eine auf  openSUSE basierende Live-CD. Das Projekt stellt natürlich auch Binärpakete für verschiedene Distributionen bereit. Dabei ist Oyranos abhängig von den Paketen libxml2, libXcm, libXinerama, libXrandr, libXfixes, libXxf86vm und lcms2.

Das Oyranos-Projekt entwickelt nicht nur ein Color Managment System (CMS) sondern auch verschiedene Werkzeuge zur Verwaltung und Korrektur entsprechender Farbprofile. Das sind im Einzelnen KolorManager ein Verwaltungswerkzeug für Farbprofile für den KDE-Desktop. ICCExamin ein Werkzeug zum Betrachten von Farben und Farbprofilen. Die neueste Entwicklung des Projektes ist eine Datenbank zum Austausch von Farbprofilen, welche im vergangenen Google Summer of Code entstanden ist. Mit Hilfe dieser soll es in Zukunft möglich sein egal ob man colord oder Oyranos benutzt die entsprechenden ICC Farbprofile für die eigene Hardware einfacher zu finden und zu installieren. Dieses Projekt wurde Taxi getauft, da es die Farbprofile an den gewünschten Ort bringt. Allerdings bis dieses System wirklich einsatzfähig ist, muss noch einiges an Arbeit investiert werden. Die derzeitige Oberfläche der Datenbank macht optisch noch nicht viel her und eine Menge an Information fehlt und es fehlt auch ein Client zur Abfrage dieser Datenbank. Diese Entwicklungen werden aber in Zukunft verfügbar sein. Mitstreiter, die gern an dem Projekt mitarbeiten möchten und die nächsten Hürden meistern wollen, sind dem Projekt natürlich willkommen.

Es scheint das Nutzer die farbverwaltete Systemen benötigen in Zukunft nicht mehr auf Mac OS X und ähnliches angewiesen sind, sondern auch hier mit Linux arbeiten können.

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11 Kommentare

  1. Uwe Sagt:

    Das Thema ist leider etwas komplexer als beschrieben. Fakt ist, das Farbmanagement zwar immer noch ein Stiefkind im OSS-Umfeld ist, aber sehr wohl schon seit einiger Zeit farbverbindliches Arbeiten möglich ist. Zentrale Komponenten wie X/xorg/cups können schon einige Jahre mit Farbprofilen umgehen. Lediglich bei den Applikationen fehlt diese Unterstützung leider noch an vielen Stellen (Firefox ist immer noch der einzige OS-Browser, der Farbmanagement unterstützt). Und der zentrale, ganzheitliche Verwaltungsansatz war bisher nicht gegeben. Das ist der Punkt wo colord bzw. darauf aufbauende Lösungen nun ansetzen. Bei der mangelden Funktionalität in den Applikationen hilft das aber wenig weiter.

    Die Idee mit der Profildatenbank halte ich übrigens für wenig sinnvoll. Bei Ein-/Ausgabegeräten wie Druckern/Scannern/Monitoren kommt man nicht um ein individuelles Profilieren/Kalibrieren herum, wenn es einigermaßen sauber passen soll. Schon deshalb weil wir hier immer noch von der Wandlung analoger in digitale Werte (oder zurück) reden, bei denen jedes Gerät etwas anders tickt. Und die Geräte altern und verändern sich. Noch dazu spielen bei Scannern und Druckern auch die Film- bzw. Papiersorten und Tinten eine nicht zu unterschätzdende Rolle.

  2. buergermeister Sagt:

    mir ist durchaus, die Rolle bewußt welche Alter des Gerätes spielen oder die Papiersorte. Da ist aber auch der Casus Cnactus. Papiersorte heißt für mich Print, dass ich als Profi im Printbereich am besten mit einem kalibriertem Gerät arbeite ist vollkommen klar.

    Die DB ist in meinem Kopf entstanden, es war eine Idee die beiden Projekten colord als auch Oyranos weiterhilft. Denn die Profile sind der wunde Punkt, verschiedene Hersteller mit einem Dschungel an Webseiten, wo diese versteckt sind. Davon abgesehen sind die Treiber ja nicht uninteressant. Nicht jeder hat ein Colorimeter zu Hause und das nötige Wissen es zu benutzen. So das ist eher etwas für die “normalen” Nutzer

  3. oy Sagt:

    Meine Erfahrungen zeigen, daß viele Druckertinten und Papiere für einen nicht zu anspruchsvollen Einsatz hinreichend stabil sind. Deshalb kann ein Farbprofil für baugleiche Drucker, Treiber und Medien ohne Probleme im Büro-und Heimbereich verwendet werden. Das wird ja auch praktiziert. Die Probleme mit Herstellerprofilen liegen eher an Geschmacksfragen. Aber sicherlich gibt es da wie überall bessere und weniger stabile Systeme.

    Fall Zeit, Geld und Energie für eigene Profile eher eine untergeordnete Rolle spielen soll Taxi niemanden davon nicht abhalten. Ganz im Gegenteil. Die Taxi Profildatenback ist auf Profile von Experten angewiesen.

    Übrigens bietet Oyranos CMS die Konfiguration von Einstellungen für Farbmanagement schon seit vielen Jahren an. Das wird in einigen Programmen auch genutzt.

  4. Uwe Sagt:

    Richtig, die Profile sind der wunde Punkt. Nicht weil man sie schwer findet, sondern weil sie es meistens schlimmer machen als vorher. Im Optimalfall sind die Farbverschiebungen nur anders und nicht schlechter. Leider. Der generische Ansatz greift hier einfach nicht. Das ist auch alles kein rein theoretisches Wissen, sondern die leidliche Erfahrungen aus einigen Jahren Beschäftigung mit dem Thema.

    Man muss ja auch nicht für alles gleich entsprechende Messtechnik anschaffen. Druckerprofile kann man sich für kleines Geld (weniger als ein Pack hochwertiges Fotopapier kostet) beim Dienstleister ausmessen lassen. IT 8.7-Targets für die Scannerkalibrierung gibts auch schon ab nem Zehner. Und für den Monitor tuts notfalls auch erst mal das Leih-Colorimeter aus dem Bekanntenkreis. Damit bekommt man zwar die Alterungsverschiebungen nicht in den Griff, weil man ja regelmäßig nachmessen müsste, die Verschiebungen betreffen aber meistens relativ gleichmäßig den ganzen Farbumfang und halten sich bei aktuellen Displays auch einigermaßen in Grenzen.

    Problematischer als die paar Euro für die notwendigen Anschaffungen sehe ich übrigens den notwendigen Zeitaufwand, den die Anwender benötigen um sich ernsthaft mit dem Thema zu befassen. Farbmanagement ist nun mal relativ technisch und auch komplex.

  5. Uwe Sagt:

    @oy: Meine Praxis-Erfahrungen sehen da leider anders aus. Wir sind uns sicher einig das ein Druckerprofil immer nur für eine bestimmte Tinten-Papier-Kombination auf einem Gerät passt. Man sollte also meinen, das die Hersteller hier entsprechende Profile bereitstellen könnten und damit passt das. In der Praxis produzieren selbst diese Profile, eingesetzt mit der richtigen Tinte und dem richtigen Papier, leider oft Farbstiche.

    Extremfall war bisher ein Canon Selphy, bei dem man eigentlich aufgrund der Geschlossenheit des Systems (nur ein Papiertyp, Farbband-Kassette fest vorgegeben, beides nur von Canon zu haben) meinen sollte, da müssten die generischen Profile am Besten passen. Fehlanzeige. Das Gerät produzierte einen Gelbstich und matschige Bilder in den Schattenbereichen. Nach der Profilierung via Dienstleister war der Gelbstich weg und alles wurde farbrichtig dargestellt. Und der Matsch war auch weg. In den Schattenbereichen waren auf einmal Farbabstufungen zu erkennen, die vorher einfach weggebügelt wurden.

    Die Selphys sind sicher keine Highend-Geräte und eher als Spass-Drucker gedacht, trotzdem sollte halt Oma Erna auf den Bildern auch nur dann gelb aussehen, wenn Sie Gelbsucht hat.

  6. buergermeister Sagt:

    also Uwe wenn man Dir so zuhört, ist Color Managment völlig unnötig man braucht ja nur ausmessen. Ich weiß echt nicht, was Du für Erfahrungen hast, aber bei mir hat bis auf einen einzigen Fall und da hat jemand meine druckreife Datei verändert immer alles funktioniert.

    Irgendwie kommt mir auch so vor als willst Du unbedingt Recht haben oben behauptest Du noch Farbprofile machen es schlimmer und unten erzählst Du dann das ein Canon-Drucker nach der Profilierung funktioniert hat. Ja was denn nun?

  7. Uwe Sagt:

    Doch, doch, Colormanagement ist wichtig. Und ohne Profile gibts da auch nichts zu managen. Nur macht es eben kaum bzw. teilweise keinen Sinn, wenn man Profile verwendet, die eben nicht zu den Geräteparametern passen. Wirklich sinnvolle Profile bekommt man eben nur durchs Ausmessen für ein bestimmtes Gerät in einem definierten Betriebs-Umfeld. Bei allen anderen Varianten ersetzt man einen undefinierten Zustand durch einen anderen undefinierten Zustand.

    Wobei es mit nem Profil alleine auch nicht getan ist. Die meisten User dürften ja erst mal an nem falsch eingestellten Monitor leiden. Im ersten Step sollte man den erst mal auf eine korrekte Helligkeit, Kontrast und Farbtemperatur einstellen. Das mag zwar optisch gehen, ist dann aber eher ein sehr grobes Schätzen, schon deshalb weil unser Auge/Hirn immer adaptiv arbeitet und wir deshalb keine absolute Warnehmung haben, die man aber für eine korrekte Beurteilung des Ergebnisses bräuchte. Und die Werteangaben in den Monitor-Konfigurationen kann man auch vergessen, die liegen leider oft auch weit weg von dem was real ist. An der Stelle geht es eigentlich schon nicht ohne echtes Messen.

    Nach dem das Gerät grundlegend kalibriert worden ist kann man ein gerätespezifisches Profil für die Feinkorrektur und die Ermittlung des Farbraumumfangs erstellen. Wenn man nun hier ein generisches Hersteller-Profil nutzt, was bitte soll denn da hinten rauskommen, wenn man den Monitor vorher nicht in einen definierten, sprich kalibrierten, Zustand gebracht hat? Richtig, da kommt irgendwas raus, was in keinster Weise sinnvoll und zielführend ist. Gleiches gilt für ausgemessene Profile anderer User. Wenn da eine andere Grafikkarte im Spiel ist (evtl. noch via VGA angeschlossen), dann kannst Du das Profil in die Tonne dreschen, es ist für andere Nutzer nicht zu gebrauchen.

    Bei Scannern und Druckern ist das nicht ganz so extrem, da man dort im Allgemeinen an der A/D- (bzw. D/A-)Wandlung nicht manuell rumfummeln kann. Allerdings ist die von Gerät zu Gerät doch nicht so einheitlich, wie das die Hersteller gern hätten. Deshalb helfen hier generische Profile auch nur bedingt. Wenn was sinnvolles rauskommen soll –> messen.

    Da im Allgemeinen kaum jemand scannt und direkt druckt ohne das Bild vorher noch am Monitor korrigiert zu haben machen Profile für Scanner und Drucker ohne kalibrierten/profilierten Monitor auch keinen Sinn, da man ja sonst nicht korrekt sieht was man gescannt hat oder drucken will.

    Auch Funktionen wie Softproofing machen ohne kalibriertes System keinen Sinn. Man sieht einfach kein definiertes, reproduzierbares Ergebnis.

    Wenn das mit so einer Datenbank für Profile und deren Austausch untereinander alles so einfach wäre, meinst Du nicht da wäre schon mal einer drauf gekommen? Millionen von Fotografen und Grafikern wären dankbar für so eine Datenbank, wenn es denn so einfach wäre. Ist es aber eben nicht, weil es so nicht funktioniert. Die Einsicht dazu mag schmerzlich sein, aber damit bist Du nicht alleine. Die Idee taucht in vielen Foren zum Thema Fotografie immer mal wieder auf. Und bisher haben wohl die meisten eingesehen, das sie auf dem Holzweg sind. Ich inclusive.

  8. oy Sagt:

    @uwe

    Diese sorgfältige Arbeitsweise ist typisch im Umfeld von professionellen und ambitionierten Benutzern. Die Taxi Datenback richtet sich aber an all jene die gar kein Farbprofile zur Verfügung haben. Jener Mehrheit der Nutzer ohne irgendwelche Farbmanagementkentnisse sollen in den Genuß einer verbesserte Farbabstimmung kommen.

    An der Arbeitsweise vieler Profis ändert das eher weniger. Da stimme ich gerne zu. Vielleicht nehmen sie sich gelegentlich mal die Zeit ein Farbprofil für ein Familienmitglied oder Freunde zu erstellen zu ganz normalen Standardeinstellungen und stellen das denn in Taxi ein, damit die Verteilung einfacher klappt.

  9. Uwe Sagt:

    @oy: Was soll sich denn bitte verbessern, wenn Du auf einem System, dessen Parametrisierung unbekannt und undefiniert ist, ein Profil einspielt, was ebenfalls unter Dir unbekannten Bedingungen entstanden ist? Da kann sich nichts verbessern, die Darstellung wird nur anders falsch.

    Das hat alles nichts mit Profi, Amateur oder Normaluser zu tun, das Ganze kann technisch einfach nicht funktionieren.

  10. oy Sagt:

    @Uwe Alle bekannten Parameter werden benutzt. Die Oyranos Module suchen an Hand der verfügbaren Informationen in der Taxi DB, welches ICC Profil am besten zu den aktuellen Einstellungen/Parametern passt. Mehr ist nicht möglich und bedarf es auch nicht. Falls diese Zuordnung in Zweifel gezogen werden soll, muß folgerichtig jedes Farbmanagementsystem ob seiner Korrektheit angezweifelt werden. Die lokale Profildatenbank funktioniert aber bereits auf dieser Basis. Mit Taxi wird sie lediglich auf das Internet übertragen. In der lokalen Datenbank halten die ICC Profile alle Einstellungen intern gespeichert. Bei Taxi passiert das in Form der JSON Metadaten. Benutzer können lokal damit schon jetzt Profile automatisch heraussuchen lassen.

  11. Uwe Sagt:

    @oy: Wie willst Du denn auslesen, wie der Anwender seinen Monitor (Helligkeit, Kontrast, Farbkanäle, Farbtemperatur) oder seinen Drucker (Tintensorte, Papiertypen) eingestellt hat? Das sind Parameter, die massiven Einfluss auf das Darstellungsverhalten und somit auf die erstellten Profile haben und auch innerhalb eines Fertigungsprozesses schwanken können. Selbst wenn Du sie auslesen könntest würde es nichts nützen. Eine Helligkeit von 60% auf einem Monitor ist mit ziemlicher Sicherheit auf einem anderen Monitor des gleichen Modells nicht identisch hell. Dies gilt für die anderen Werte genau so und betrifft jedes Gerät in der Verarbeitungskette. Deshalb sind Profile immer konfigurationsspezifisch. Euer Denkansatz ist schlicht falsch.

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