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Gnome 3 explained – Interview mit Vincent Untz

September 15th, 2010 von buergermeister

Diese Interview wurde von Henne Vogelsang mit Vincent Untz geführt um mehr über den “Explaining GNOME 3 Vortrag zu erfahren, den er auf der openSUSE Conference halten wird zu erfahren. Das Original könnt ihr hier finden. Das Portrait von Vicent ist “shameless stolen” aus dem Flickr Account von Frederic Crozat

henne: Hallo Vicent, schön Dich in dieser Serie zu haben. Lass uns über Deinen Vortrag sprechen aber vorher solltest Du dich vielleicht kurz vorstellen, es kann ja sein das Dich nicht alle hier kennen. Also wer bist Du und was machst Du so?

vincent:Also für alle die mich nicht kennen, ich schätze da sind einige Millionen da draußen, ich bin Vincent. Die zwei wichtigsten Dinge die man über mich wissen muss sind, dass ich Franzose bin und Eiskrem liebe. Wenn ich gerade keine Eiskrem essen, dann leiste ich einen Beitrag zu freier Software. Ich arbeite für GNOME und openSUSE und das schönste ist, ich kann an beiden zur gleichen Zeit arbeiten, wenn ich an GNOME in openSUSE arbeite. Dank Novell kann ich Vollzeit zu beiden Projekten beitragen, da ich zum openSUSE Boosters Team gehöre.

henne: tja da sind wir nun und denken, Du ißt eigentlich nur Baguettes

vincent: Ich weiß nicht ob Dein Kommentar über Baguettes im Interview landen wird, aber wenn es das tut dann muß ich bemerken, dass sich Eiskrem und Baguettes nicht wirklich vertragen.

henne: Alles was Du sagst wird ins Interview kommen, also benimm Dich besser :D Der Titel deines Vortrages lautet Exlaining GNOME 3, ich denke der Vortrag wird uns GNOME 3 erklären, aber was muß da erklärt werden?

vincent: Oh, eine Sache die man noch über mich wissen muss ich reiche immer Vorträge mit Titeln ein, wo ich am Ende gar nicht weiß worüber ich reden werde. So am Ende kann es sein, dass “Explaining GNOME 3″ etwas ganz anderes sein wird, als Du erwartest.
Aber ich werde schon über das eingereichte Thema reden, weil GNOME 3 für das GNOME Prjekt ein ganz großer Schritt ist und was wir versuchen damit zu erreichen nicht immer offensichtlich ist für Leute ausserhalb des Projektes.
Am Ende sind da zwei Teile, wo ich derzeit denken das könnte das Publikum in meinem Vortrag interessieren:

1. Warum macht das GNOME Projekt den Schritt zu GNOME 3 anstatt bei GNOME 2.x zu bleiben? Am Ende GNOME 2.x waren immer evolutionäre Schritte und das behalten wir auch bei.

2. Die Vision, was soll GNOME 3 für uns werden, Menschen, denken nicht oft an größere Endziele eines Projektes und das klar zu stellen, kann uns helfen das man versteht warum wir diese Änderungen in GNOME implementieren.

Ein dritter Teil, soll die GNOME Shell erklären, wo wir denken das wird ein großer Schritt sein, den die Benutzer spüren werden, weil es die Art wie sie mit ihrem Computer interagieren ändern wird.

henne: Wenn Du sagst GNOME 3 versucht nicht evolutionär zu sein, meint das GNOME 3 wird nicht auf dem basieren, was GNOME 2.x derzeit ist? Und das nachdem Evolution eigentlich auch Vererbung bedeutet.

vincent: Ein Teil von GNOME 3 basiert auf GNOME 2. Eine Menge Arbeit für GNOME 2.30 und 2.32 steckt in der Migration unserer Applikationen auf GNOME 3 Technologien und die meisten dieser Technologien sind aktuell kompatibel mit GNOME 2 und wir waren so klug das auf diese Weise zu tun.
Am Ende aber sind da andere Bestandteile von GNOME 3 und das sichtbarste davon ist die GNOME Shell und dies sind komplett neue Bestandteile. Zusammengefaßt heisst das einige Teile der Veränderungen in GNOME 3 sind evolutionär während andere große Veränderungen mit sich bringen, so das man sie schlecht evolutionär nennen kann. ;)

henne: Verstehe, aber warum macht ihr dann so große Veränderungen?

vincent: Das ist ein Teil unserer Vision, in der Vergangenheit haben wird versucht den Desktop anzupassen um ihn benutzbar zu machen. Dieses Mal designen wir den Desktop gleich benutzbar zu sein.

henne: Heißt also ein Neustart, dass klingt gut. Wenn Du von Visionen sprichst, ist da irgendetwas greifbares? Ein Dokument, sagen wir einmal mit einer Reihe von Regeln was nützlich ist und was nicht?

vincent:Wir hatten immer derartige Dokumente, wie zum Beispiel die GNOME HIG (Human Interface Guidelines) und wir passen diese natürlich für GNOME 3 an.
Wir haben aber auch ein Design-Dokument die GNOME Shell, welches die Überlegungen für die Entscheidungen welche wir dafür gemacht haben erklärt.
Aber wenn wir über einen greifbaren Satz dieser Vision sprechen, dann kann ich nur sagen ich denke, die meisten von uns wissen, was einen Computer für die Masse der Benutzer nutzbar macht.

henne: Was denkst Du ist der Grund das GNOME 2 hindert, benutzbar für die meisten Leute zu sein?

vincent: Ich würde sagen GNOME 2 ist für die meisten Leute eigentlich benutzbar. Der Grund GNOME 2 zu nehmen, anstatt einer Alternative ist, bietet diese irgendetwas substantiell besseres?

henne: So also benutzbar und von den meisten Leuten gwünscht, kann man das so zusammenfassen?

vincent: Ja aber aktuell es ist mehr als das. GNOME 3 arbeitet auch ein klein wenig anders, man kann es intuitiver bedienen und das wird offenbar eben auch gewünscht :)

henne: Du sprichst öfter über die GNOME Shell und dass GNOME einiges an Plänen mit ihr hat, wir würden gerne mehr darüber wissen. Was ist die GNOME Shell? Ein weiterer Terminal-Emulator?

vincent: (Lacht) Die Shell in einem Desktop Enviroment ist der Part des Desktop der die verschiedenen Hauptfunktionen behandelt, das Starten von Programmen, umschalten zwischen den Fenstern, den Computer herunterfahren und ähnliches. Aber das ist eine Bezeichnung, wo sich die Endbenutzer nicht viel Gedanken darüber machen sollten. Wir haben eben diesen Teil von GNOME Desktop für GNOME 3 redesigned und der Name diese Projektes ist eben GNOME Shell. Das ist warum wir so oft darüber sprechen. :)

henne: also das was Alterfahrene einen Windowmanager und ein Panel nennen würden?

vicent: so in der Art in etwa, ja

henne: In diesem Bereich gehen eine Menge Veränderungen vor. Vor allem seit dem die Menge der Anforderungen für die entsprechenden Geräte explodiert. Was ist so spezielles an der GNOME Shell?

vincent: Zuerst und das ist wichtig, die GNOME Shell ist designed direkt für Computer und nicht für alle Art von Geräte. (aber GNOME selbst ist nicht nur für Computer, die GNOME Plattform kann und wird für die verschiedensten Geräte benutzt, wie Telefone, GPS, medizinische Geräte und viele mehr.) Die Shell hat verschiedene schicke Designfeatures. Sie ist designed um gut auf Netbooks oder größeren Computern zu arbeiten und auch die Nutzung eines Touchscreens als Eingabegerät, war von Beginn an Teil des Designs. Die meisten (wenn nicht alle) der anderen Desktop Shells für Computer haben dieses Feature nicht direkt in ihr Design eingebaut. Ausserdem haben wir festgestellt, dass die Shell für die meisten ein langweiliger Teil des Desktop ist und sich deshalb wenig Gedanken darüber machen. Das meint aber eben nicht, dass dieser Teil häßlich sein muss, im Gegenteil wir versuchen es schön zu designen und das so wenig aufdringlich als möglich, aber wir möchten, das die Shell die Arbeit für die Nutzer erleichtert.

henne: Kannst Du uns ein Beispiel geben, wie das geht? Wie kann ich mir die Arbeit erleichtern?

vincent: Klar kann ich dass, besuch doch einfach meinen Vortrag :) Ich kann da ein paar Hinweise geben, wie das umschalten zwischen verschiedenen Activities, Alarmierungen…

henne:Activities? Das ist etwas, was ich nun sehr spät zum ersten Mal höre…..

vincent: Tatsächlich :) Was wir Activity in GNOME nennen ist etwas, was der Nutzer tut: im Web surfen, Fotos sortieren, seine Buchführung machen und andere solche Dinge.

henne: So die Shell wird sich anders verhalten oder aussehen wenn ich im Web surfe als wenn ich meine Fotos sortiere?

vincent: Nein sie wird sich nicht in Abhängigkeit von der Activity unterschiedlich verhalten, jedenfalls nicht im Moment. Aber eines der Ziele ist es einfacher für die Menschen zu machen neue Activitys zu starten und die laufenden zu organisieren und wie ich sagte zwischen den verschiedenen Aktivitäten umzuschalten.

henne: Also einen Desktop für meinen Firefox zum Surfen im Web, einen für F-Spot um meine Fotos zu managen und so weiter?

vincent: Das könnte ein Beispiel sein, ja. Während wir vorher eine statische Konfiguration für Arbeitsbereiche hatten, haben wir nun Arbeitsbereiche, die vom Nutzer dynamisch hinzugefügt und entfernt werden können, um ihm das zu geben was er braucht. Das ist eines der schicken Features der GNOME Shell.

henne: Das hört sich wie eine nützliche Kombination der verschiedenen Philosophien der Arbeitsbereiche an. Ist das Ergebnis etwas, wozu andere Desktopumgebungen GNOME inspiriert haben? MeeGo (ein weiterer Punkt der openSUSE Conference 2010) hat da ja eine ähnliche Herangehensweise.

vincent: Da ich nicht derjenige bin, der an diesem Design gearbeitet hat, kann ich dir nicht mit Sicherheit sagen ob das von anderen Desktopumgebungen inspireirt wurde. Aber dieser Teil des Designs war bevor MeeGo (und vor ihm Moblin2) öffentlich waren, also kan man sicher sein, dass MeeGo diesen Teil inspireirt hat. Aber ich weiss das MeeGo und die GNOME Shell (oder GNOME als Ganze) Leute eng zusammenarbeiten, heutzutage teilen wir viele Technologien und Designziele. Zum Beispiel beide die Meego shell und die GNOME Shell nutzen die gleiche Infrastruktur von der technologischen Seite gesehen.

henne: Interessant wirklich und Collaboration Across Borders eben auch hier! Wen intressiert es, wo der Ursprung für dieses Design herstammt, richtig? Solange wir uns gegenseitig inspirieren. Wenn wir schon beim Thema Collaboration sind, du selbst hast eine lange Vergangenheit in einem FLOSS Prjekt, welches eben GNOME ist. Wie ist deine Erfahrung in der Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und würdest Du sagen da hat sich das in der letzten Zeit verändert hat?

vincent:Yep, 8 Jahre, ich kann mich noch an meine ersten Tage erinnern. :-) Ich denke die Zusammenarbeit hat seit dem sehr zugenommen. Während wir vorher in unserer kleinen Ecke (dem Desktop) gearbeitet haben, arbeiten wir nun Leuten vom gesamten Stack bis hinunter zum Kernel. Zum Beispiel um einen wirklich benutzbaren NetworkManager zu schaffen, war eine Menge Arbeit auch in den unteren Bitebenen nötig und altbewährte Nutzer können sich sicher noch erinnern, ein externes Medium zu mounten war nicht immer so einfach. Dafür waren Änderungen und Features fast überall von Nöten. Ein weiteres Beispiel sind die Power Management Features. Heute sind wir in der Lage, dank dieser Zusammenarbeit, einen glänzend gut benutzbaren Desktop anzubieten.

henne: Stimmt, der ganze Stack ist heutzutage mehr integriert. Ich kann mich noch an die Tage erinnern, wo ich Leuten helfen musste ihre /etc/modules.conf zu editieren umd ihre Soundkarte zum laufen zu bringen und ähnliche Dinge. Wieviel dieser Änderungen glaubst Du sind den Distributionen, wie zum Beispiel openSUSE zu verdanken?

vincent: Die Idee auf diese Weise beizutragen kann man nicht wirklich den Distributionen zu rechnen. Aber wie auch immer, was einzigartig bei den Distributionen im Gegensatz zu anderen gebräuchlichen Softwareprojekten, dass man und das weißt Du selbst, mit Leuten von verschiedenen Leuten des Stack zusammen arbeitet und das war ein kritischer Punkt um diese Idee der Zusammenarbeit in die Wirklichkeit umzusetzen.

henne: Was mir aufgefallen ist, die Rolle dessen, der die Gesamtintegration zu leisten hat ist zu den Upstream-Projekten übergegeangen. in den alten Tagen hatten diese Rolle die Distributionen. Neuerdings spielen wir nur noch eine Rollen die verschiedenen Leute zusammen zu bringen und ihnen Spielraum zu geben.

vincent: Ja und Nein. Die Leute die diese Integration ermöglichen sind immer noch die Leute, die an den Distributionen arbeiten, aber die Leute in den Upstream Projekten wo diese Integration benötigt wird tun das heute selbst. In der Vergangenheit musste das getan werden und dann in den Upstream gebracht werden, von dieser Seite hat es sich verändert.

henne: Es gibt mehr und mehr freie Software ;) Wieviele Distributionen, denkst Du werden wir 2020 haben? Mehr oder weniger?

vincent: Wir haben immer verschiedene Distributionen, weil die Leute es mögen ihr ganzes System von Grund auf zu bauen. Aber ich denke, wir werden wohl auch weiterhin 3 “Haupt”-Distributionen haben (oder weniger) ansonsten genauso viele Distributionen wie heutzutage.

henne:Okay, eine letzte aber wirklich wichtige Frage. Wirst Du Luboš Lunak (KDE) eine Chance für eine Revanche für den Eiskrem-Ess-Wettbewerb geben um seine Niederlage, während des Boosters Kick-Off im vergangenen Jahr wieder wett zu machen. Vielleicht auf der Konferenz-Party? Ich spendiere die Eiskrem!

vincent: Ja zur Hölle, er bekommt eine Chance es zu versuchen, aber ich befürchte keine Chance zu gewinnen :) Er ist ein guter Herausforder, mit etwas mehr Training…..

henne: Ok wir werden sehen ob er deine berühmte “Schmelzlöffel”-Technik schlagen kann. So Danke für deine Zeit Vincent und wir alle, warten mit Spannung auf deinen Vortrag auf der Konferenz!

vincent: Bitteschön, wir sehen uns dann alle in Nürnberg!

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5 Kommentare

  1. Daniel Sagt:

    Ist ein interessantes Interview…hat mir zum ersten mal Lust auf GNOME 3 und die GNOME Shell gemacht.

    Leider hat der Inhalt zu Lasten der Grammatik etwas das Primat übernommen…

  2. buergermeister Sagt:

    ja Grammatik war noch nie meine Stärke

  3. micha Sagt:

    Hallo!

    Es ist toll zu sehen, wie innovativ Ubuntu ist. Was mich aber stört: Mir wäre es wichtiger ein System und Software zu haben, die fehlerfrei und einfach zu bedienen ist, anstatt, dass sie ständig mit einem neuen Layout daher kommt :-( Zwei Beispiele: Mikrosoft Word funktioniert für kurze Texte immer noch besser und ist intuitiver zu bedienen als Open Office. Gimp wird scheinbar von Menschen entwickelt, die nicht wirklich produktiv damit arbeiten müssen. Leider kann ich so gar nicht programmieren, sondern nur nörgeln. Deshalb freut es mich total, dass es Menschen wie Vincent gibt.
    Danke!

  4. buergermeister Sagt:

    blöderweise hat ja das “innovative” Ubuntu oder dessen Mutter kaum Anteil an der GNOME Entwicklung, die nutzen das am Ende ja nur.

  5. oehi Sagt:

    Das macht wirklich Vorfreude auf Gnome 3.

    Genau solchen einen Desktop könnte ich an meiner Arbeitsstelle gebrauchen — allein die Firmenphilosphie steht dem (noch) komplett entgegen. Ein echter Jammer!

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