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La música de los cuervos Teil 10

November 18th, 2006 von buergermeister

Auf dem Weg zum Myspace, denn sie hatten nun entschieden, zum Poetry Slam zu gehen (das heißt, Mia hatte entschieden), waren sie sehr schweigsam. Mia versuchte das Gesprächs-Tiefdruckgebiet zu füllen, indem sie Thorsten mit Fragen bombardierte.
„Was sind denn so deine Hobbies?“ – „Das haben wir doch schon online ausdiskutiert.“
Dana schaltete ihre Ohren wieder ab und verschanzte sich in ihrer eigenen Welt aus Gedanken und Träumen. Aber die sah heute düster aus, Regenwolken verhangen.

Das Myspace war eine alte Villa, kurz vor der Baufälligkeit. Einige Idealisten veranstalteten dort manchmal solche Poetry Slams wie heute oder Lesungen, Diskussionen über Politik, Umweltprobleme, Religion. Alles Mögliche. Current affairs.
Die Bude war voll heute. Dana fühlte sich schon ein wenig betrunken von den Martinis, aber sie holte sich trotzdem noch ein Bier. Erst, als der Erste zu lesen begann, setzte sie sich zu den beiden anderen, die ihr einen Platz freigehalten hatten.
Es war ein kleines, süßes Gedicht über Vögel, Regentropfen und den Herbst. Nichtig. Keine tollen Bilder oder Metaphern. Aber ganz nett, wie Mia ihr ins Ohr flüsterte. Diese Einschätzung, so fand Dana, war schlimmer als der totale Verriß. Wenn jemals jemand irgendetwas von ihr als „ganz nett“ bezeichnete, wollte sie aufhören zu schreiben. Aber das alles erzählte sie Mia nicht, sondern versuchte, noch grimmiger und unnahbarer drein zu blicken.
Der nächste war an der Reihe.
Er hatte seine Haare zu spitzen Stacheln gestylt, so sah er aus wie ein Igel. Die lederne, gemusterte Jacke ließ eher auf ein Krokodil schließen. Und schließlich die Schuhe, die waren wie die des kleinen Mucks. Aber wer weiß, vielleicht war dieser Typ der neue Hemingway. Vorn angekommen, stellte er einen alten Kassettenrekorder vor sich hin – High Tech – und drückte auf Play.
Zunächst erklang nur Quietschen, dann gesellten sich einige Klavierschnipsel und karge Gitarrenakkorde dazu. Was sollte das werden? Zusammen alte Kassetten anhören? ‘Das ist eine Lesung, du Depp’, dachte Dana.
Geigentöne wie das morbide Kreischen dunkler Vögel … dann weiblicher Gesang. Aber nein, kein Gesang in dem Sinne, es fehlten die Worte, eher ein Heulen.
Und dann, endlich, begann er zu lesen. In die Musik hinein, kaum lauter als ein Flüstern.

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