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La música de los cuervos Teil 6

November 15th, 2006 von buergermeister

Die Abendsonne schien sanft durch die Wolken hindurch und tauchte die Stadt, die Häuser, in rosarotes Licht. Der Tag endete rosa – one of the rose days … oder war das ihre Brille?
Auch die Luft wirkte rosa, genauer ihr Duft – süß von irgendwelchen Blüten, die Dana nicht sehen konnte.
Nur ab und zu vorbei rauschende Autos störten die Kulisse.
Links von Dana ein Reformhaus. Was hieß das auf Englisch? Health and wellness shop? Und auf Französisch? Noch schwieriger – magasin de produits saines?
Die Videothek – im Schaufenster das Plakat von Kentucky Fried Movie; daneben eins, das Johnny Depp zeigte, mit Perlen und Ketten behangen, als schwulen Pirat; und ein Mann und eine Frau, nackt auf einem Bett aus roten Rosen liegend. FSK 18. Romeo & Juliet zwischen den Zeilen.
Dana stellte sich vor, wie sie und er, den sie nicht kannte, so nebeneinander liegen würden, nur sie und er und ihre Blöße, und auf einmal schien er ihr vertraut. Hoffentlich begegnete sie ihm dann. Sie hatte das Gefühl, dieser Abend barg etwas ganz Besonderes.
Der Tierladen – pets and animals.
Photos im Schaufenster des Photographen („Art and Photography“) – die am besten gelungenen Bilder. Sie sollten neue Kunden anlocken. People take pictures of each other to prove that they really existed … wie die Kinks einmal gesungen haben.
Aber so toll waren die Photographien gar nicht. Ihnen fehlte es an „Art“. Wenn das die besten sein sollten, na dann, Prost Mahlzeit. Vielleicht waren es auch nur die einzigen Deppen, die sich im Schaufenster ausstellen ließen: Ein dickes Brautpaar – sie sah aus wie ein Schneemann und er wie eine Kreuzung aus Marzipanschwein und Pinguin; eine sinnliche Rothaarige – aber ihr Lächeln verlor an Erotik durch den Überbiß; ein Baby. Wozu fotografierten die Leute Babys? Die sahen doch sowieso alle gleich aus. Wer guckte sich schon gerne Baby-Photos an? Und doch sagten alle: „Oh, süüüß!“
Wo hatte sie nur die schlechte Laune her? El humor de perro?
Und dann sah sie ihn. Sein Paßbild, um genau zu sein. Auch auf dem Photo schien er sie anzusehen, eindringlich … nein, er hatte nur in die Kamera geblickt, mehr nicht, das war doch albern, so lange dieses Bild anzustarren. Like a little schoolgirl, ein Cheerleader vom College, das seinen Helden anhimmelte. Sie drehte sich um, um weiter zu gehen …
… und prallte fast mit ihm zusammen. Was? Das war unglaublich, supernatural! Es schien, als hätte ihre Sehnsucht ihn herbei gezaubert. Röte stieg Dana ins Gesicht, und für einen Moment blieb die Zeit stehen. Er warf einen Blick in ihre Augen, einen kurzen Blick nur, der jedoch Jahrhunderte in sich zu bergen schien, das Konzentrat eines Blicks. Er ging ihr durch und durch. Made her shiver.
Und dann war der Moment vorbei. Die Zeit lief weiter. Und er ebenfalls. Dann zögerlich auch Dana.
Ein Lächeln überwältigte sie. Sie konnte nichts dagegen tun.
Jetzt brauchte sie gar nicht mehr in die Bibliothek zu gehen. Wie wohl sein Name war? Sollte sie umdrehen und ihm folgen? Miss Dana Marlow. Nein, so was Albernes.

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