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La música de los cuervos

November 13th, 2006 von buergermeister

Die Raben tummelten sich zwischen roten und braunen Blättern, die unter dem kahlen Nußbaum lagen, stolzierten umher wie befrackte Vögel von Welt und ließen ab und zu ein knappes Krächzen vernehmen, tief und rauh. Kaum zu glauben, daß man sie zu den Singvögeln zählte. Aber so war es.
Sie sangen den Blues. Die Musik der Schwarzen. La musique des noirs. The music of the blacks.
Dana liebte es, in verschiedenen Sprachen zu denken, alle Sätze, die ihr in den Sinn kamen oder die andere sagten, zu drehen und zu wenden und in verschiedene Kleider zu stecken wie Anziehpuppen.
Manchmal verlor sie sich darin, dann dauerte es lange, bis sie reagierte, oder sie antwortete in Spanisch oder Französisch. Englisch.
Ihre Eltern hatten sich daran gewöhnt, auch ihre Freunde, die fanden es witzig; wer sie aber nicht kannte, fühlte sich befremdet. Oder hielt sie für eingebildet. Neunmalklug. Angeberisch.
Das war sie aber nicht.
Ein Buch lag aufgeschlagen vor ihr – „Grundlagen der Physik“ – a book of Science.
Aber Dana blickte mehr aus dem Fenster, als zu lesen. Beobachtete die Raben, ohne sie wirklich zu beachten. Die Men in black. Birds in black.
Nein, Danas Gedanken weilten anderswo. Bei einem Mann, den sie nicht kannte, a stranger. Dessen Blicke ihr aber um so vertrauter waren – sans regards poétiques. Looks full of poetry.
Gestern war sie ihm begegnet, und sein Blick hatte sie getroffen wie ein sanfter Blitz. Und sie hatte sich seiner wieder erinnert. Hatte ihn erkannt. Sie konnte es nicht glauben, das war ja wie im Film. Als sie ihm zum ersten Mal über den Weg gelaufen war, hatte er sie auch so angesehen, so eindringlich, als wäre sie jemand ganz Besonderes, als wäre es Liebe auf den ersten Blick. Das war vor einem Jahr gewesen. Sie konnte es nicht verstehen, diese Ausdauer, diese Geduld. Wartete er auf sie? Oder war es nur Zufall? Bildete sie sich alles nur ein? Dann berührte sein Blick ihr geistiges Auge, und alle Zweifel waren fürs erste vergessen. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihrem Körper aus, und ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln, zu einem, das einfach kam, das sie überwältigte, einem echten; einem Duchenne-Lächeln.
Sie wollte wissen, wer er war. Wollte sein Geheimnis ergründen, warum er sie so ansah, und das immer wieder und schon so lange.
Eine Liedzeile von Diary Of Dreams, nein, falsch, den Walkabouts, kam ihr in den Sinn.

I don’t care if it takes half the night
or a life
or if it’s all a slow dream

Sie wollte ihn, diesen Traum, zur Realität werden lassen. Sei es für eine Nacht oder für einige Jahre, es war ihr egal. Sie wollte nur bei ihm sein. Jetzt.

Geschrieben in Endless Stories | 1 Kommentar »

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    1. karl-tux-stadt.de » Blog-Kennenlern-Stöckchen Sagt:

      [...] Ooh einige, sind aber mehr so Serien, anfangs war´s die Show me your Linuxdesktop-Reihe, welche mittlerweile aber gut läuft, aber hin und wieder immer eine neue Aufforderung braucht. Aufmerksamkeit hatte zwar auch die Aktion des virtuellen Weihnachtskalender, ihre Teilnahme haben zwar einige angekündigt zum Schluss aber ist nicht ein Bild eingegangen, nach dem Feedback zu urteilen soll (und werde) ich die Aktion 2007 wiederholen und etwas zeitiger aufrufen, dieses Mal. Ja und dann wäre da noch ein Artikel, bzw. eine Artikelreihe. Eine etwas längere Geschichte, welche sich unter der Kategorie „Endless Stories“ verbirgt, wo bisher keiner nach dem Sinn gefragt hat und auch wahrscheinlich kaum einer gelesen hat. [...]

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