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Ein Herz für openSUSE

Mai 4th, 2009 von buergermeister

In dem Heise-Artikel, den ich letztens empfehlenswert fand stand

Heutzutage gibt Ubuntu den Ton an. OpenSuse indes hat viel vom Charme und Charakter früherer Zeiten bewahrt.

Das stimmt zweifelsohne Ubuntu hat openSUSE den Rang abgelaufen. In deutschen Landen gab es früher wirklich jede Menge Linuxeinsteiger, die mit SuSE-Linux angefangen haben. Ich erinnere da mal an Gregor Oelze und seine SUSE-L(u)ser-Aktion. Die ist leider aus den Weiten des Netzes verschwunden.
Wie konnte das geschehen, das Ubuntu innerhalb wirklich wenig Zeit openSUSE derart verdrängen konnte? Ganz einfach SUSE ist uncool – Hacker unfriendly. Nach dem man den Einstieg in Linux gefunden hatte und mehr von seinem System erwartete stieß man an die Grenzen. YaST überschrieb Konfigurationen und dann hatte man die Nase voll und stieg um – nachtragendes Bashing inklusive.
Dann kommt ein afrikanischer Weltraumtourist und erfindet scheinbar das Rad. Er macht Linux einfach für jeden Nutzer installierbar – welch ein Quark das war vorher bereits da. Der Heise-Artikel meint dazu:

Die Distribution kombiniert die Stärken von Debian mit Anwenderfreundlichkeit und ist das weitaus populärste Linux der letzten Jahre. Das System lässt sich einfach herunterladen, installieren und konfigurieren, erweitern und aktualisieren. Ubuntu ist noch keine fünf Jahre alt und damit eigentlich noch the new kid on the block. Trotzdem hat Mark Shuttleworth mit seiner Schöpfung die Regeln neu definiert.

Nein, Mark Shuttleworth hat die Regeln nicht neu definiert, er hat sie nur konsequent mit allen seinen Mitteln angewandt. Früher gab es SUSE zum download erst einige Zeit nach dem Boxenrelease, mit der Übernahme von SUSE durch Novell verschwand das. Die neueste Version gab es zeitgleich zum Download. Aber was ist das schon wenn Canonical mit missionarischen Eifer gleichzeitig tonnenweise CDs vershipt? An jeder Ecke gab es Ubuntu zu haben. Es war absolut einfach es auszuprobieren. Begeisterung für Linux wäre sicher auch bei der Installation von SUSE aufgekommen, nur dümpelten die Installationsmedien auf irgendwelchen FTP-Servern herum.
Die Rechnung geht auf man erhält innerhalb weniger Zeit eine große Anzahl an Nutzern, die ihrerseits die Begeisterung für Ubuntu weitertragen. Nicht so bei openSUSE, die haben zwar auch noch ganz alte Benutzer die wirklich schon seit ewigen Zeiten SUSE nutzen aber die beteiligen sich weder an der Entwicklung noch rühren die die Werbetrommel für ihre Distribution.
Die Masse davon wird sich sogar scheuen einen Bug zu reporten, das ist derart unkomfortabel gestaltet. Ich muss mich dafür registrieren! Das hat etwas von du musst zwingend bei uns mitmachen :(

Ein ähnliches Drama bei den Mailinglisten, schon das abonnieren dieser ist äußerst umständlich, dass antworten auf eine Mail noch bekloppter. Insgesamt sind die Webpräsenzen des openSUSE-Projektes eher ein Dschungel in den nur Geekos und Lizards die Informationen finden als Ottonormalnutzer.
Das die Entwicklung einer Linuxdistribution community-driven sein muss, weiß man selbst bei Novell bzw. SUSE. Um das zu Erreichen läßt man sich etwas einfallen – den Buildservice. Man versucht die Entwickler von Software dazu zu bringen, ihre Entwicklungen direkt für SUSE und auch andere Distributionen damit zu paketieren. Ok, kann funktionieren muss es aber nicht oder warum gibt es 3 verschiedene ClamAV-Pakete mit gleicher Versionsnummer?

Andererseits muss man requestete sinnvolle Features wegen zu wenig Manpower canceln und am Ende sogar über eine Änderung des Releasezyklus nachdenken.
Aber was rede ich denn, die Masse der Punkte wo es klemmt ist innerhalb des openSUSE-Projektes bekannt. Es gibt innerhalb des WikiWeb-Dschungel eine Seite namens BrainStorming Prague. Dort finden sich nicht nur die von mir angesprochenen Punkte sondern auch noch ein paar mehr, denen ich nur zustimmen kann. Allerdings würde ich die Prioritäten etwas anders setzen, falls die Reihenfolge diese darstellen soll.

Einer der Punkte jedenfalls ist wieder small community und es ist seit The Cathedral & The Bazaar eigentlich klar, dass der Community ein Anteil an der Entwicklung von Software zukommt. Diese muss man endlich aufbauen, dafür hat man eigentlich sogar jemanden engagiert. Und dennoch tröpfelt es nur. Während Canonical die Präsentationen von Ubuntu vollkommen den Loco-Teams überläßt (und denen das nicht einmal finanziert). Ist es schwer für kleinere Veranstaltungen überhaupt jemanden zu finden, der openSUSE präsentiert. So wird man bestimmt keine aktive Community gewinnen. Nun schauen wir mal, wie es in diesem Zirkus so weiter geht.

Geschrieben in Distribution Drama | 8 Kommentare »

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8 Kommentare

  1. Roman Sagt:

    Eine sehr interessante Sichtweise und einige Informationen aus der Kinderstube von OpenSUSE. Danke!

    Hier bei uns in der Schweiz schleppt SuSE schon seit je her ein schlechtes Image hinterher. Wenige nutzten es und viele verfluchen es, weil es halt völlig zerrissen wurde, konfiguriert man hier etwas von Hand, passt es da nicht mehr und so weiter. Wenn man damals SuSE nicht “in und auswendig” kannte, war man verschossen, wenn man selbst etwas costumizen wollte.

    Seit ich Linux ein klein wenig kenne, bin ich viel offener und – würde zwar selbst niemals ein SuSE installieren – aber ich habe gelernt, tolerant zu sein. Schliesslich ist es immer noch besser, ein OpenSUSE zu nutzen, als ein anderes, quellverschlossenes Betriebssystem.

  2. buergermeister Sagt:

    naja Roman, die Probleme die YaST und Konfigurationen bereitet hatte, die gab es beim Auftauchen von Ubuntu nimmer.

  3. Roman Sagt:

    Also die Paketverwaltung war ja schrecklich im Argen, in der Version 10.xx, und damals gab es Ubuntu schon.

    Warum bekomme ich keine Benachrichtigung bei neuen Kommentaren? Habe nicht mal gesehen, dass der Bürgermeister geschrieben hat ;-)

  4. buergermeister Sagt:

    Was heißt im argen? Die Abhängigkeiten sind sehr “ominös” aber aus der Sichtweise no-problem-for-the-user durchaus erklärbar.

    installiere ich bei ubuntu z.B. bekomme ich python-xml nicht mit installiert wen ich Inkscape installiere, will ich dann später bestimmte “Effekte” z.B. interpolieren benutzen muss ich es nachinstallieren.

    bei SUSE hingegen wird die Sache von dem Standpunkt betrachtet, wenn eine Sache in der Applikation enthalten ist will der Nutzer sie auch benutzen und es wird ohne zu fragen mitinstalleirt.

    Hat beides seine Vor aber auch Nachteile ;)

    Was den Alert betrifft, weiss ich derzeit nicht genau, muss ich nachschauen.

  5. Cooli Sagt:

    Hi

    Ich bin erst seit 1 Jahr Linux User
    Also ein Anfänger :)

    Als ich die Entscheidung getroffen hatte mich für Linux zu interessieren. Hatte ich die Wahl. Opensuse, Fedora oder Ubuntu

    Ubuntu fand ich einfach Einsteiger freundlich.
    Das Wiki auf Ubuntuusers.de ist für mich einfach Genial.

    In den Medien war/ist Ubuntu häufiger anzutreffen als andere Distros. Novell sollte schon etwas mehr tun wenn sie die weltbeste Linux-Distribution erstellen und verbreiten wollen.

  6. buergermeister Sagt:

    ja also, du bist halt bei ubuntu gelandet weil die das bessere “Marketing” haben

  7. Otium Sagt:

    Suse stand bei mir nie zur Debatte – nicht, weil ich objektive Gründe dagegen hatte, sondern weil ich damals, bei meinem Umstieg auf Linux nach Forenlektüre zu Ubuntu gekommen bin. Dann habe ich mich von Ubuntu zu Debian bzw. sidux (was ja auch Debian ist ;-) ) bewegt und probiere zwischendurch immer mal etwas anderes aus, überwiegend Systeme, die mehr Handarbeit erfordern und mir insoweit zur Wissensvermittlung verhelfen.
    Im März habe ich mir auf den Chemnitzer Linuxtagen mal eine OpenSuse 11.1 DVD mitgenommen und installiert. Die Installation verlief absolut problemlos und reibungslos und das System lief nach dem reboot ohne besondere Eingriffe. Insoweit kann ich OpenSuse nur empfehlen.
    Ich habe dann ab und zu damit ‘gearbeitet’, bin aber nicht warm damit geworden. Das liegt sicher auch daran, das ich mit den Debian-Tools und den Konfigurationsmöglichkeiten der Eingangs angesprochenen Systeme mehr vertraut bin. Andererseits hat mir OpenSuse nichts geboten, was einen Umstieg für mich reizvoll machen würde.
    Für einen ‘Linux-Beginner’ ist OpenSuse aber eine sehr brauchbare Distribution. Was die im Artikel angesprochenen ‘Holperigkeiten’ hinsichtlich Registrierung, Hilfe und Teilnahme am Project etc. betrifft – da kann ich nicht mitreden, habe ich nicht probiert. Das sollte man allerdings einbeziehen, wenn man dauerhaft mit einem System arbeiten will.

  8. buergermeister Sagt:

    danke otium, das ist wieder eine sehr überlegte und faire Stellungnahme dazu.

    Das einzige was mich eben stört, ist das die von einigen immer wieder behauptet wurde/wird erst Mark Shuttleworth habe Linux für Beginner “erfunden”.

    Für Leute die einsteigen wollen und ihr System normal benutzen wollen gab es vorher schon SUSE und es war benutzbar. Derartige Dinge wie das überschreiben war ja nur von Nachteil, wenn man von Haand in diesen editiert hat also mehr von seinem System erwartete. Und die Situation ist schon lange vor Ubuntu behoben gewesen.

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